Frühes Trauma und das Gehirn.
Über epigenetische Spuren, limbische Narben, psychische Erkrankungen und Voraussetzungen für eine Erholung.

 

TERMINE:

 

Nächster Termin für die eintägige Veranstaltung: Samstag, 05.04.25

 

WAS BRINGT MIR DIE FORTBILDUNG?

 

Verständnis! Sie werden andere und sich selbst besser verstehen können. Es ist inzwischen allgemein bekannt, dass frühe traumatische Erfahrungen Menschen häufig lebenslang belasten und mit psychischen Erkrankungen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen einhergehen. In dieser Fortbildung geht es darum zu verstehen, was dabei im Gehirn passiert und welche Voraussetzungen aus Sicht der Hirnforschung gegeben sein sollten, damit sich Kinder und Erwachsene von frühen Belastungen erholen können und zudem ihre epigenetischen Spuren nicht an die nächste Generation weitergeben.


INHALT:

 

Viele Ihrer Klienten und Patienten blicken auf eine schwierige oder gar traumatische Kindheit zurück. Vielleicht wurden sie emotional vernachlässigt, hatten niemanden, der ihnen psychische Sicherheit gab, der sie tröstete oder berührte. Vielleicht wurden sie auch emotional misshandelt, abgewertet und klein gemacht. Vielleicht betrifft dies auch Sie selbst.
Vielleicht hat all dies zu einer psychischen Erkrankung geführt, einer Depression, einer Angststörung, einer Borderline-Persönlichkeitsstörung, einer posttraumatischen Belastungs-störung. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht wurden die frühen Traumatisierungen auch gut verpackt und die negativen Gefühle abgewehrt. Und sie äußern sich nun in bestimmten Verhaltensweisen, in übermäßiger Wut, Eifersucht, in schwer nachvollziehbaren Glaubenssätzen, einer Beziehungsunfähigkeit oder was auch immer sich daraus ergeben kann.


Erleben Menschen eine schwierige Kindheit, dann hinterlässt dies Spuren im kindlichen Gehirn. Aus Studien am Menschen, aber auch aus Tiermodellen wissen wir, dass die frühen Erfahrungen häufig mit epigenetischen Veränderungen einhergehen. Hierbei werden Gene von biochemischen Systemen wie dem Stresssystem oder dem Oxytocinsystem an- oder abgeschaltet und die Wirksamkeit der Stoffe wird beeinflusst. Zudem werden nach frühen belastenden Erfahrungen häufig Veränderungen in Hirnstrukturen gefunden, die für die Verarbeitung von Emotionen wichtig sind. Diese Hirnbereiche sind bisweilen in ihrer Reaktivität, ihrer Größe oder auch ihren Verbindungen verändert. Man könnte hier auch von „limbischen Narben“ sprechen.

 

Die epigenetischen Spuren und die limbischen Narben können ihrerseits psychischen Erkrankungen, Verhaltensstörungen, aber auch dem erhöhten Risiko für das Auftreten körperlicher Erkrankungen und der erhöhten Mortalität nach frühen traumatischen Erfahrungen zugrunde liegen. Nicht nur Erkrankungen, auch Phänomene wie die im Nachgang frühkindlicher Traumatisierungen häufig verminderte Fähigkeit zur Emotionsregulation oder die Weitergabe der Auswirkungen von Traumatisierungen über Generationen können mit Abläufen im Gehirn in Verbindung gebracht werden.


Sogenannte „Anpassungstheorien“ gehen davon aus, dass die Spuren der Traumatisierungen Anpassungen an eine besonders stressreiche Umwelt sind - verankert über die Epigenetik. Es spricht jedoch aus neurobiologischer Sicht nichts dagegen, dass sich diese Veränderungen wieder zurückbilden – wenn sich die Umwelt ändert. Häufig ändert sich die Umwelt jedoch nicht, denn es ergeben sich infolge der frühen Prägungen Teufelskreise im sozialen Miteinander, die einer Änderung entgegenstehen. Hier trifft die Neurobiologie auf die systemische Sicht.

 

Mit dem Blick der Hirnforschung können nicht nur die späteren Schwierigkeiten nach frühen Traumatisierungen erklärt werden, sondern auch Voraussetzungen für eine Erholung im Kindesalter und die Psychotherapie im Erwachsenenalter skizziert werden. Insbesondere die Psychotherapieforschung hat zahlreiche Erkenntnisse darüber zusammengetragen, was im Gehirn geschieht, wenn Menschen im Rahmen einer therapeutischen Allianz ihre traumatischen Erfahrungen aufarbeiten und psychische Heilung erfahren.
 

FORM:

  • Online über Zoom.
  • Maximal 15 Teilnehmende
  • Fortbildung mit sehr hohem Inputanteil. Bildreich gestalteter und wissenschaftlich fundierter Vortrag mit gelegentlichen kurzen Murmelgruppen und wiederholtem Austausch im großen Plenum. Ob Murmelgruppe oder großes Plenum: Sie können Persönliches teilen, müssen dies aber nicht. Wenn Sie wollen, bleiben Sie der großen Gruppe still und in der Murmelgruppe bei den Inhalten. Up to you! 😊

 

TERMINE UND BUCHUNG:

  • Referentin: Dr. Nicole Strüber
  • Sie erhalten im Anschluss eine pdf-Datei mit den Folien sowie eine kurze Zusammenfassung der Inhalte.
  • Nächster Termin für die eintägige Veranstaltung: Samstag, 05.04.25. Weitere Termine folgen.
  • Zeiten: 9:00 Uhr bis 17:00 Uhr mit insgesamt 6 Stunden Input.
  • Teilnahmegebühr: 290 Euro
  • Buchung: info@socialbrainacademy.de

 

AUF WELCHE FRAGEN WIRD EINGEGANGEN?

  • Warum sind Stoffe wie Stresshormone und Oxytocin so wichtig, wenn wir über Trauma reden?
  • Warum entwickeln wir uns unterschiedlich und warum sind manche Menschen resilient gegenüber den Auswirkungen einer stressreichen Kindheit?
  • Wie können eigene Traumatisierungen und/oder psychische Erkrankungen der Eltern eine belastende Erfahrung für das Kind darstellen? Welche Rolle spielt chronischer Stress der Eltern?
  • Was hat das alles mit Epigenetik zu tun? Was ist Epigenetik überhaupt?
  • Welche Auswirkungen haben frühe Stresserfahrungen auf Kinder? Auf ihr Risiko, körperliche oder psychische Krankheiten zu entwickeln?
  • Wie hängt dieses Risiko von ihrer genetischen Ausstattung ab?
  • Wie beeinflussen frühe Stresserfahrungen die Strukturen des Gehirns? Was sind limbische Narben?
  • Warum haben Menschen nach frühen Stresserfahrungen häufig Gedächtnisprobleme?  
  • Warum sind Menschen nach frühen Stresserfahrungen oft so wachsam und sensibel für Bedrohungen? Warum haben sie oft Schwierigkeiten, ihre Emotionen zu regulieren oder über mentale Prozesse zu sprechen?
  • Warum entwickeln Kinder ein desorganisiertes Verhalten?
  • Wie werden die Stoffsysteme des Gehirns durch frühe Stresserfahrungen beeinflusst? Und warum erhöht sich dadurch das Risiko für psychische Erkrankungen?
  • Warum haben manche Menschen nach frühen Stresserfahrungen Schwierigkeiten, die Herausforderungen des Alltags zu bewältigen?
  • Warum haben Menschen nach frühen traumatischen Erfahrungen ein erhöhtes Risiko, bei späteren belastenden Erfahrungen eine posttraumatische Belastungsstörung zu entwickeln?
  • Warum haben Menschen nach frühen belastenden Erfahrungen oft Schwierigkeiten, befriedigende Beziehungen einzugehen?
  • Wie unterscheiden sich Erfahrungen von Misshandlung und Vernachlässigung in ihren Auswirkungen auf das Gehirn?
  • Warum reagiert das Gehirn überhaupt so empfindlich auf belastende frühe Erfahrungen? Handelt es sich um eine Schädigung oder um eine Anpassung an eine schwierige Umwelt?
  • Können die Auswirkungen von Stresserfahrungen von Generation zu Generation weitergegeben werden? Welche Rolle spielt dabei die Epigenetik? Und was genau bedeutet transgenerationale Transmission?
  • Können sich Kinder vollständig erholen, wenn sie in ihrer Kindheit wichtige Erfahrungen verpasst haben?
  • Was brauchen Kinder, um sich nach frühen belastenden Erfahrungen möglichst gut zu entwickeln? Welche Haltung ist dafür notwendig?
  • Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit sich Kinder nach traumatischen Erfahrungen in Pflege- und Adoptivfamilien erholen können?
  • Welche Phasen durchlaufen Pflege- und Adoptivkinder bei einer erfolgreichen Integration in eine neue Familie?
  • Wie können sich Menschen im späteren Leben von frühen psychischen Belastungen erholen? Was sind aus der Perspektive der Hirnforschung die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Psychotherapie?

 

LITERATUR FÜR DIE NACHBEREITUNG BEI BEDARF:

  • Strüber, N. (2019). Risiko Kindheit. Das Gehirn verstehen und Resilienz fördern. Stuttgart: Klett-Cotta.
  • Strüber, N. (2024). Unser soziales Gehirn. Warum wir mehr Miteinander brauchen. Stuttgart: Klett-Cotta.
  • Roth, G., Strüber, N. (2018). Wie das Gehirn die Seele macht. Stuttgart: Klett-Cotta.

 

 

 

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